Das Licht am Ende des Tunnels

Eines Tages ging ein Mann am Strand spazieren, nachdem ein Orkan tausende kleiner Krebse an Land gespült hatte. Der Mann bückte sich und begann, einen nach dem anderen zurück ins Meer zu werfen. Ein anderer Mann beobachtete ihn eine Weile und fragte dann: “Wie lange willst du diese Arbeit tun? Du wirst es nie schaffen, alle zu retten!” Darauf nahm der Mann einen kleinen Krebs hoch und erwiderte: “Siehst du diesen hier?”, woraufhin er ihn ins Wasser brachte: “Ich habe sein Leben verändert!”

Mit dieser Geschichte erklärt Faith Mwangi-Powell, Vorsitzende von FORWARD (Foundation for Women‘s Health Research and Development) in London, ihr Engagement gegen weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation – FGM).

“Ich lasse mich nicht durch die riesige Masse betroffener Frauen abschrecken, sondern konzentriere mich auf jede einzelne Frau und erreiche so auch ihre Kinder und Kindeskinder.”

Bild: ‘Das Bild am Ende des Tunnels’ von Mizé, Portugal

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Der Tag den ich niemals vergessen werde

Fouzia Hassan,  9 Jahre alt

Es war in einer Sonntagnacht
als meine Mutter mich rief
und sagte mit leise Stimme „Meine Tochter, komm.“
Ich ging still mit.
Plötzlich sagte meine Mutter,
„Meine Tochter, morgen ist dein D-day.“
Ich war geschockt,
aber keiner erwartete, dass ich etwas sage.
Am Morgen wurde ich auf den Boden genagelt,
drei Frauen saßen auf mir
und kreuzigten mich auf der Erde.
Ich schrie, bis ich keine Stimme mehr hatte.
Das einzige was ich sagte war „Mami, wo bist du?“,
und die einzige Antwort die ich bekam war „still, Mädchen, still.“
Den Schmerz den ich erfahren habe,
werde ich für den Rest meines Lebens nie mehr vergessen.
Ich wünsche, dass meinen Freunden nicht das gleiche widerfährt.
Dieser Nacht war eine schlaflose Nacht.
Ich sah eine alte Dame mit Klingen,
die immer und immer wieder schnitt.
Ich schrie und meine Mutter kam, um nach mir zu sehen.
Meine lieben Eltern, habe ich das verdienst?
Ich frage euch alle, habe ich das verdienst?

Fouzia Hassan

Unsäglicher Schmerz im Namen der Ehre

“Die am schlimmsten Gepeinigten rebellieren nicht, sagt man.
Sie sind zu sehr gedemütigt, unterdrückt, entrechtet oder verarmt. Oft rechtfertigen sie ihr Schicksal sogar noch, denn der Gedanke, dass es auch anders hätte sein können, fügt der Qual und Schmach eine weitere hinzu.
Oft sind es Impulse von außen, die den Gequälten ihre Not erst bewusst machen und die Funken des Aufbegehrens in unerträgliche und doch irgendwie ertragene Zustände werfen. So ist es wohl auch mit der schon Jahrtausende lang währenden Grausamkeit der weiblichen Genitalverstümmelung, die noch immer Kontinente übergreifend praktiziert wird, oft oder sogar überwiegend von Frauen selbst durchgeführt. Alle 15 Sekunden kommt irgendwo auf der Welt wieder ein Mädchen unters Messer, um ihre Quelle größter Lust zu verstümmeln”

Quelle: Connection – Der Verlag fürs Wesentliche

FGM und der Dogon Schöpfungsmythos

Der Ursprung der Entfernung der weiblichen Genitalien ist unbekannt, aber er kann um Jahrtausende zurückgehen, vielleicht aus der Zeit der Pharaonen, lange bevor der Islam auf der Bildfläche erschien.

Es gibt einen wichtigen Hinweis zu diesem Ritual in der Mali Dogons Kultur.

In dem Dogons Schöpfungsmythos heißt es:

Amma, Gott des Himmels war alleine und wollte sich mit der Erde paaren, die wie ein weiblicher Körper geformt war.

Die Geschlechtsorgane der Erde waren wie ein Ameisennest und ihre Klitoris erhob sich wie ein Termitenhügel.

Amma näherte sich ihr an, aber der Termitenhügel erhob sich und blockierte die Penetration des Penis.

Es zeigte sich, dass die Erde des gleichen Geschlechts wie Amma war, was Zwietracht im Universum verursachte. Amma, verärgert, weil er aufgehalten wurde, hob den Termitenhügel an und vereinte sich mit der Erde. 
Amma paarte sich oft mit seiner Frau und die Harmonie im Universum war wieder hergestellt, als der Termitenhügel erhoben wurde.

Heute gibt es noch Kulturen, die daran glauben, dass wenn die Klitoris nicht entfernt wird, wächst sie auf die gleiche Größe wie der Penis, und wenn sie aufgerichtet ist, verhindert sie das Eindringen in die Scheide.

Source: Unabhängige Universität von Barcelona