Was ist FGM?

“FGM (Female Genital Mutilation, auf Deutsch: Weibliche Genitalverstümmelung oder Beschneidung) umfasst alle chirurgischen Eingriffe, die die teilweise oder vollständige Entfernung der äußeren Genitalien oder andere Verletzungen der weiblichen Genitalien beinhaltet, aus kulturellen oder nicht-therapeutischen Gründen”. – Definition von UNICEF

Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden jährlich zwei bis drei Millionen Mädchen beschnitten. Sehr oft erfolgt dieser Eingriff ohne Narkose mit Rasierklingen, Scheren, Messern und anderen scharfen, nicht immer sterilisierten Gegenständen.

Viele sind zur Zeit ihrer Beschneidung 8 bis 14 Jahre alt, zunehmend wird der Eingriff aber auch an Kleinkindern und sogar an Säuglingen vorgenommen. Viele Mädchen überleben die Beschneidung nicht. Und viele, die die Prozedur überleben, leiden ihr Leben lang unter Schmerzen, wiederkehrenden Infektionen, Problemen beim Wasserlassen oder unsäglichen Qualen beim Geschlechtsverkehr und bei Geburten. Dazu kommen Depressionen und Traumata, die diese Frauen oft ein Leben lang verfolgen.

Obwohl FGM längst als Menschenrechtsverletzung geächtet ist und in den meisten Staaten in denen sie praktiziert wird, als schwere Straftat gilt, ist sie in fast dreißig Ländern Afrikas und Asiens verbreitet.

Zwischen 100 bis 140 Millionen Frauen und Mädchen leben weltweit mit den Folgen von der Beschneidung. Durch die Migration wird die Prozedur heute auch in Nordamerika, Australien, Canada und in Europa praktiziert. Die genaue Zahl der Betroffenen in Europa ist nicht bekannt. Das Europäische Parlament schätzt jedoch die Zahl auf ungefähr 500.000, wobei an die 180.000 Mädchen jährlich Gefahr laufen, beschnitten zu werden.

FGM wird aus einer Reihe von Gründen praktiziert:

Sexuelle: um die weibliche Sexualität zu kontrollieren oder zu reduzieren.

Soziologische: zum Beispiel, als ein Initiationsritual für Mädchen, soziale Integration und die Erhaltung des sozialen Zusammenhalts.

Hygienischen und ästhetischen Gründen: Wo geglaubt wird, dass die weiblichen Genitalien schmutzig und unansehnlich sind.

Gesundheit: In der Überzeugung, dass es die Fruchtbarkeit und die Überlebenschancen von Kindern steigert.

Religiöse Gründe: in der irrigen Annahme, dass FGM eine religiöse Pflicht sei.

FGM wird vor allem an Kindern und Jugendlichen zwischen 4 und 14 Jahren durchgeführt. In einigen Ländern wie Äthiopien ist jedoch mehr als die Hälfte von FGM an Säuglingen unter einem Jahr durchgeführt.

Die Praktizierenden von FGM sind in der Regel traditionelle Geburtshelferinnen oder ausgebildete Hebammen. FGM ist eine hoch geschätzte Dienstleistung mit hohen finanziellen Anreizen und einem geschätzten Status in der Gemeinde.

FGM ist eine fundamentale Verletzung der Menschenrechte von Mädchen. Es ist diskriminierend und verstößt gegen das Recht auf Chancengleichheit und Gesundheit, auf das Recht, frei von Gewalt, Körperverletzung, Misshandlung, Folter und grausamer oder unmenschlicher und erniedrigender Behandlung, zu leben.

Zudem verstößt es gegen das Recht auf Schutz vor schädlicher traditioneller Praktiken, und auf Selbstbestimmung über die eigene Fortpflanzung. Diese Rechte stehen unter dem Schutz vom internationalen Recht.

FGM ist in vier verschiedene Typen eingeteilt:

Type I – Teilweise oder vollständige Entfernung der Klitoris und/oder der Klitorisvorhaut (Klitoridektomie).

Type II – Teilweise oder vollständige Entfernung der Klitoris und der kleinen Schamlippen, mit oder ohne Entfernung der großen Schamlippen (Exzision).

Type III – Verengung der Vaginalöffnung und Schaffung eines Verschlusses durch Ausschneiden und Zusammenfügen der kleinen Schamlippen und/oder der großen Schamlippen, mit oder ohne Entfernung der Klitoris (Infibulation).

Type IV – Alle anderen schädlichen Eingriffe in die weiblichen Genitalien ohne medizinische Indikation, zum Beispiel: Stechen, Durchbohren, Schneiden, Ausschaben und Ausbrennen.

Jüngsten Schätzungen zufolge umfassen 90 Prozent der Fälle Klitoridektomie, Exzision oder Fälle, in denen die weiblichen Genitalien eingeschnitten werden, aber kein Fleisch entfernt wird (Type IV); ungefähr 10 Prozent machen Infibulationen aus.

Keine gesundheitliche Vorteile, nur Schäden

FGM verursacht nicht wieder gutzumachenden Schäden. Es kann zum Tod des Mädchen durch schwere Blutungen führen, oder zum hämorrhagischen Schock, zum neurogener Schock als Folge von Schmerzen und Trauma, zu schweren Infektionen und Sepsis. Es ist routinemäßig traumatisch. Viele Mädchen geraten in einen Zustand des Schocks aufgrund der starken Schmerzen, psychischen Traumata und Erschöpfung verursacht durch das Schreien.

Andere schädliche Auswirkungen umfassen u.a: langwierige Heilung; Abszessbildung; Zysten; übermäßiges Wachstum von Narbengewebe; Harnwegsinfektionen; Schmerzen beim Geschlechtsverkehr; erhöhte Anfälligkeit für HIV/AIDS; Hepatitis und anderen durch Blut übertragbaren Krankheiten; Infektionen der Fortpflanzungsorgane; Entzündliche Erkrankungen des Beckens; Unfruchtbarkeit; schmerzhafte Menstruation; chronische Obstruktion der Harnwege/Blasensteine; Harninkontinenz; Geburtshindernis; erhöhtes Risiko für Blutungen und Infektionen während der Geburt.

Source: UNICEF

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